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Author: Axel Polanschütz
5.4.5 Die Expansion des Unternehmens Citroën
Citroën war in den Jahren bis 1929 sehr erfolgreich tätig,
was die Produktionszahlen beweisen. Diese stetige Steigerung der Produktion
bedurfte einer Vergrößerung der Betriebsstätten von 198.000
m2 im Jahr 1919 auf 850.000 m2 im Jahr 1929. Die Zahl
der Arbeitnehmer stieg in dieser Zeit von 4.000 auf etwa 32.000 Personen, und
dies trotz zunehmender Mechanisierung, was das Ansteigen der Anzahl der eingesetzten
Maschinen verdeutlicht, welche von 3.450 auf 15.760 Stück anstieg. Noch
stärker betont wird die zunehmende Spezialisierung und die Etablierung
am Markt am Output, welcher von 2.810 Wagen im Jahr 1919 (15,6 % der französischen
Produktion) auf bis 102.891 Autos im Jahr 1929 (42 % der französischen
Gesamtproduktion) anstieg.
Um diese Leistungen erbringen zu können, mußte das
Unternehmen expandieren. Man bediente sich dabei einer Methode, welche heute
in der Automobilindustrie eine Selbstverständlichkeit ist. Die einzelnen,
im Laufe der Jahre dazugekommenen Fabriksanlangen, wurden auf die Produktion
gewisser Bauteile spezialisiert.
Als Citroën die Herstellung der verschiedenen Komponenten
in andere, teilweise benachbarte Fabriken auslagerte, konnte er bereits auf
Erkenntnisse Fords` zurückgreifen. Ford begann damit, das gesamte Automobil
in einer Fabrik herzustellen, als er jedoch vermehrt Teile selbst produzierte,
anstatt sie bei Zulieferern einzukaufen, machte er die Erkenntnis, daß
nicht alles in einer Fabrik erzeugt werden mußte. Er richtete Abteilungen
ein, die jeweils nur einen einzigen Teil erzeugten, diese allerdings, um dem
Transportproblem zu entgehen, eng beieinander lagen.
5.4.5.1 Der Stammsitz am Quai de Javel, Paris
Citroën hatte für den Ausbau des Automobilwerks vor
allem die Granatenfabrik am Quai de Javel zur Verfügung. Obwohl Mors noch
1921 einen großvolumigen Wagen vorstellte, wurde schon bald ein Teil dieser
Lokalitäten übernommen und dort eine Versuchs- und Forschungsabteilung
eingerichtet.
Die Zahnradfabrik folgte dem Ausbau des Automobilwerkes und produzierte sämtliche
Zahnradverbindungen für die Hinterachsen (Antriebsachse).
Anfangs diente die Fabrik am Quai de Javel als Hauptanlage,
in der der Großteil des Typ A produziert wurde. Durch die Schaffung von
Zulieferwerkstätten war man in Javel ab 1924 auf die Endmontage spezialisiert,
einschließlich Karosseriebau und Lackiererei.
Die Struktur der ehemaligen Granatenfabrik hatte sich grundlegend geändert,
die im Krieg notwendigen Sozialräume wurden durch Laboratorien adaptiert,
die dort eingerichtete große Kantine in eine Stanzerei umgebaut und das
noch brachliegende Gelände mit für die Automontage notwendigen Gebäuden
bebaut.
Javel war aufgrund vorhandener Infrastruktur ideal gelegen, denn
die Seine mit dem Hafen, Eisenbahnschienen sowie ein Bahnhof waren in unmittelbarer
Nähe.
Javel wurde im Laufe der ersten Jahre zunehmend erweitert, um
die Wege innerhalb der Produktionsstätten möglichst gering halten
zu können.
Der abgebildete Plan von 1920
sieht in der Nähe der Rue Leblanc ein Gebäude mit der Aufschrift Caoutchouc
vor. Dieses war zu Kriegszeiten noch brachliegendes Gelände und wurde 1924
als Ersatzteillager verwendet. Die Bezeichnung Caoutchouc hat allerdings
nichts mit Reifenproduktion zu tun, worauf man durch dieses Wort schließen
könnte, möglicherweise hatte man das ursprünglich vorgesehen.Weiters
befand sich dort unter zwei überdachten Plätzen ein kleiner Hof, in
welchem verschiedene Tests mit den Wagen gefahren wurden.
Man vergleiche zum besseren Überblick der Entwicklung die beiden Pläne
aus den Jahren 1918
bzw. 1920.
Zum besseren Verständnis der Lage der Fabrik am Quai de Javel dient auch
jeder gängige Stadtplan von Paris. Zwischen den Straßen Quai André
Citroën (ehemals Quai de Javel), Rue Balard und Rue Saint Charles im 15.
Pariser Arrondissement befand sich dieses bis in die späten 80er Jahre
genützte Arreal.
5.4.5.1.1 Legende zum Plan von 1920
A) Atelier Balard. Motor- und Getriebemontage, Zusammenbau des
Chassis, sowie Einbau der Achsen und der Antriebseinheit.
B) Atelier Chaix. Metallverarbeitung, Montage- und Kontrollarbeiten.
C) Menuiserie. Tischlerei für die Herstellung der Holzrohkarosserien.
D) Presserei und Metallverarbeitung.
E) Tolerie. Blechbearbeitung.
F) Fonderie. Gießerei.
G) Peinture. Lackiererei.
H) Sellerie. Sattlerei und Innenausstattung.
I) Finition. Endmontage
J) Outillage. Ausrüstung, Lager
K) Erzeugung von Metallteilen wie Zahnräder
L) Labor und Administration
M) Reparaturwerkstatt (auch für Kundenfahrzeuge)
5.4.5.1.2 Der Arbeitsablauf in Javel
Der Arbeitsablauf war zu Beginn folgendermaßen organisiert:
(Zum besseren Verständnis beachte man bitte die Skizze aus dem Jahr 1920
aus Schweitzer)
Die Rohmaterialien wurden rechts bei A und B angeliefert, lediglich die für
den Produktionsprozeß notwendige Kohle wurde direkt zu den Verbrauchern
gebracht.
Metalle wurden anschließend in die Schmieden gebracht,
wo sie ihrer Art entsprechend weiterverarbeitet wurden, also in die Stanzerei
oder Gießerei gebracht. Spezielle Legierungen fertigte man bei Citroën
zu dieser Zeit noch selbst. Die vorbereiteten Metallteile kamen Richtung Chaix,
wo diese sortenrein weiterbearbeitet wurden und anschließend zu den Bestimmungsorten,
wie etwa Atelier Balard oder Chaix, in der Fabrik transportiert
wurden. In Chaix wurden die Metallteile einer weiteren Bearbeitung
unterzogen.
Im Atelier Balard wurde das Chassis der Autos zusammengebaut.
Bevor die Karosserie montiert wurde, kam das Chassis nochmals nach Chaix,
um dort fertiggestellt zu werden. Die Karosserien wurden, vom eigentlichen Prozeß
etwas abgelegen, in der Menuiserie gefertigt. Die Menuiserie
war im Prinzip eine Großtischlerei, wo die Holzgestelle gebaut und diese
mit den vorgefertigten Blechen versehen wurden. Das dafür notwendige Holz
war außerhalb in Issy-les-Moulineaux gelagert.
Anschließend rollte der Wagen in die Lackiererei. Daneben
befanden sich Abteilungen, die sich mit der Ausstattung der Wagen beschäftigten.
Daraufhin kamen die Wagen in die Endfertigung, wo letzte Lackarbeiten erledigt
wurden und man Glasteile einsetzte.
Zwar war der Ablauf in der Fabrik klar angeordnet, (Balard -
Karosserie - Lackierung - Ausstattung - Endmontage) und mit Hilfe dieses Planes
auch einigermaßen leicht zu verfolgen, trotzdem blieb jedes Gebäude
klar getrennt vom benachbarten Fabriksteil, oder gar vom nachfolgenden Fertigungsbereich.
So war die Anlage teilweise sogar durch Eisenbahnschienen getrennt, welche mitten
durchs Werksgelände führten.
Bis zum Jahr 1924 wanderten die Fabriken zunehmend in die Vororte
von Paris, wodurch in Javel die Endmontage ausgebaut wurde.
Man arbeitete zu dieser Zeit bereits auf zwei Etagen mit automatischen
Fließbändern. Citroën gruppierte aber auch um die zunehmend
mit der Endmontage befaßte Fabrik einige Zulieferfabriken in unmittelbarer
Nähe.
Den Höhepunkt der Spezialisierung erreichte man wohl 1933, als am Hauptsitz
in Javel nur noch die Endfertigung der Automobile vorgenomen wurde.
5.4.5.2 Levallois
Ende 1921 wird zusätzlich in Levallois (Pariser Vorort)
die Fabrik des Autoproduzenten Clément Bayard gepachtet, wo ab 1922 der
Citroën 5 CV produziert wird. Weiters war diese Fabrik für die Fertigung
von Karosseriezubehör und Lagern verantwortlich. 1929 wurde sie schließlich
endgültig erworben.
Schweitzer notierte zur Fabrik Levallois, daß dort nach Einstellung des
5 CV hauptsächlich Kleinteile wie Schrauben und Muttern (1927 etwa 12 Millionen
pro Monat) erzeugt, aber auch viele andere Kleinteile, wie Scheibenwischer und
andere Elektrikteile gefertigt wurden.
5.4.5.3 Suresnes
Ebenfalls im Jahr 1922 nimmt man die Arbeit in Suresnes (Pariser
Vorort) auf, wo bis 1926 die Schmiede angesiedelt war, welche dann nach Clichy
verlagert wurde. Ab 1926 wurden in Suresnes Halbkettenfahrzeuge gebaut.
5.4.5.4 Saint Charles
Bereits ein Jahr später nimmt man im auf die Erzeugung von
Getrieben spezialisierten Werk Saint Charles (15. Pariser Arrondissement) die
Arbeit auf.
Saint Charles lag im Norden der Anlagen von Javel an der rue St. Charles, wo
sich zu Beginn eine von Citroën eingerichtete Reparaturwerkstatt befand.
Dort wurden anfangs fehlerhafte Autos einer Revision unterzogen, aber auch Reparaturen
für Kunden ausgeführt.
5.4.5.5 St. Ouen
André Citroën kaufte 1924 von der in Philadelphia
ansässigen Firma Budd Manufacturing Company das Patent und Know How, um
schnell herzustellende, leichte Ganzstahlkarosserien produzieren zu können.
Der im selben Jahr präsentierte Citroën B 10 war das erste
Automobil Europas, welches mit dieser Technologie erzeugt wurde. Bisher wurden
die Holzkarosserien mit Blechteilen verkleidet, wodurch man lediglich für
kleine Karosserieteile wie z. B. Kotflügel Pressen benötigte.
Durch diese neue Methode der Karosserieherstellung mußte
neuerlich Platz geschaffen werden, wo man diese Teile fertigen konnte.
So errichtete man in Saint-Ouen, einem Pariser Vorort, eine
Anlage, welche mit ca. 200 Pressen ausgestattet war, welche mit bis zu 1.400
Tonnen Druck arbeiteten. Die Fabrik umfaßte 46 Tiefziehpressen, welche
automatisch bestückt wurden, weiters zahlreiche leichtere Pressen für
die Herstellung von kleineren Blechen.
St. Ouen bestand Anfangs aus zwei großen Hallen mit Abmessungen
in der Größe von 18 mal 200 bzw. 180 mal 70 Metern. Die Länge
dieser Gebäude ermöglichte die Arbeit am Band bzw. in einer Linie.
Das größere Gebäude enthielt die Stempel- und Matrizen-Erzeugung
und im zweiten Gebäude waren die oben erwähnten Pressen untergebracht.
Am Gelände des Preßwerkes St. Ouen wurde im Jahr 1992
das Institut Citroën eröffnet, wo die Citroën-Schulungspolitik
bestimmt wird, die Mitarbeiter des Vertriebsnetzes ausgebildet werden und insgesamt
40 % des internen Schulungsbedarfs in allen Fachgebieten absolviert werden.
5.4.5.6 Les Epinettes
Ebenfalls im Jahr 1924 nahm man in Les Epinettes die Arbeit auf,
wo vor allem Federn erzeugt wurden.
Ab 1928 wurde diese Fabrik mit Pressen ausgestattet und ergänzte die Anlage
in Saint-Ouen mit 43 weiteren Pressen, welche Bleche mit einem Druck von 1.400
bis 2.000 Tonnen herstellten.
5.4.5.7 Clichy
Ab 1924 wurde in Clichy, (Pariser Vorort, d. Verf.) westlich
von Saint-Ouen, auf 146 000 m3 (richtig müßte es hier
Quadratmeter heißen, d. Verf.) die modernste Schmiede und Gießerei
Europas errichtet, mit riesigen Hallen und breiten Fahrbahnen, die entsprechend
einer rationellen Arbeitsfolge ausgelegt waren. Zur Bereitstellung des Formsands
in der Gießerei hatte Citroën 1923 in der Nähe von Paris eine
Sandgrube gekauft.
Die Errichtung von Clichy, der damals modernsten Gießerei Europas, dauerte
etwa zwei Jahre und kostete 300 Millionen Francs.
Automobiles Citroën beschreibt die Aufgaben von Clichy noch etwas exakter.
So waren in dieser auf Grauguß spezialisierten Gießerei auch ein
Preßwerk und eine Gummiteileerzeugung untergebracht. Bald nahm man aber
auch die Erzeugung von Guß-Legierungen und Alugußteilen auf. In
den 80er Jahren wurden die Arbeiten zunehmend nach Charleville, wo ein neuer
Industriekomplex entstand, ausgelagert und in Clichy vermehrt Entwicklung betrieben.
1985 wurde der Betrieb Clichy endgültig stillgelegt.
5.4.5.8 Grenelle
1925 wird am Quai de Grenelle, im 15. Pariser Arrondissement,
die Fertigung von Achsen, Differentialen und Lenkungsteilen aufgenommen.
Die Fabrik in Grenelle wurde 1972 geschlossen und die Produktion
in die neuere Anlage in Caen verlegt.
5.4.5.9 Gutenberg
Im folgenden Jahr wurde in der Fabrik Gutenberg (15.
Pariser Arrondissement) mit der Produktion von Motoren und Getrieben begonnen.
Ab 1932 wurde in Gutenberg ein vollautomatisches Fließband eingerichtet.
Da das Gebäude zu kurz war, um die Arbeiten in einer Linie durchführen
zu können, wurde das Fließband in Serpentinen angelegt.
Die Fabrik Gutenberg wurde im Jahr 1979 stillgelegt und die dort ansässige
Produktion in die neuere Anlage in Trémery integriert.
5.4.5.10 Froncles
1927 erwarb André Citroën das Hüttenwerk Froncles,
welches ab 1919 der Hauptlieferant für Schwarzblech zur Autoherstellung
war. Dieses Unternehmen wurde ursprünglich 1757 gegründet und erst
im Jänner 1981 von Citroën wieder an einen Zulieferer namens Cokeril
verkauft.
Vergleicht man die bereits ab 1921 forcierte Spezialisierung
der einzelnen Fabriken, welche im Unterschied zu heute noch auffallend nah beeinander
lagen, mit der aktuellen Unternehmensstruktur, so zeigen sich eklatante Parallelen.
So gibt es auch heute noch Betriebe, die lediglich für die Endfertigung
vorgesehen sind und solche die für die Produktion von einzelnen Komponenten
ausgestattet sind.
5.4.6 Die Finanzierung des Unternehmens bis 1929
In den 20er Jahren war die Finanzierung von Investitionen relativ
einfach. Die Kurse an der Börse entwickelten sich sehr gut, wodurch die
Anlage in Form von Aktien beliebter wurde. Betrachtet man die Emissionen an
der Pariser Börse unter der Beachtung eines konstanten Wertes, war deren
Summe zwischen 1920 und 1929 doppelt so hoch als zwischen 1901 und 1910.
Vor dem ersten Weltkrieg war die Selbstfinanzierung, bzw. die Reinvestition
der Gewinne eine Selbstverständlichkeit. 1928/29 etwa, reinvestierte Renault
nurmehr lediglich 15 % des Bruttogewinnes. Citroën stützte sich noch
stärker auf Kapital von außen.
5.4.6.1 Die Finanzierung des Privatunternehmens Citroën
Über die Finzierung des Unternehmens bis zum Jahr 1924,
als das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, gibt es praktisch
keine zugänglichen Informationen. Es steht jedenfalls fest, daß das
Vermögen der Familie Citroën und deren Kreditwürdigkeit enorm
gewesen sein muß, wenn man bedenkt, daß André Citroën
bis 1924 warten konnte, also 9 Jahre lang, um das Unternehmen an der Börse
zu plazieren und damit anonymes Kapital ins Unternehmen einzubringen.
Im Jahr 1920 wurde, um die französische Autoindustrie finanziell
zu fördern die SADIF (Société de Crédit à l`industrie
automobile) gegründet. Mitgründer waren Adolphe Clément-Bayard,
André Boas (sein Sohn Alfred war ab 1912 für Citroën tätig),
aber auch André Citroën und dessen Vertrauter Georges-Marie Haardt.
Das Ziel war, damit die auf Lager liegenden Autos, sowie den Kreditkauf zu finanzieren.
Die Hintergründe waren verschiedener Natur, auch die Teilhaber wechselten
ständig.
Diese Gesellschaft gab Sichtwechsel aus, die durch auf Halde stehende Wagen
gesichert waren. Die Banque de France rediskontierte diese Wechsel, wodurch
genügend Kapital in den Unternehmen zur Verfügung stand.
1922 nahm André Citroën für solche Finanzierungen 45 Millionen
Francs in Anspruch.
Auch andere Hersteller, wie etwa Renault, bedienten sich solcher Finanzierungsformen.
5.4.6.2 Die Umwandlung in die Aktiengesellschaft Société
Anonyme André Citroën
Trotz neuer Kapitalgeber versuchte André Citroën
weiterhin das Unternehmen praktisch alleine leiten zu können. Dies zeigt
sich vor allem in den Personen, welche er nach den beiden markantesten Umstrukturierungen
dieser Zeit, in der Führungsspitze versammelte.
Dies geschah zu der Zeit, als Citroën intensiv in neue Modelle,
aber vor allem in neue Technologien und deren Umsetzung in der Produktion investierte,
es darf jedoch auch die Verdoppelung der Jahresproduktion nicht außer
Acht gelassen werden, wofür entsprechendes Kapital nötig war.
Durch den Gang an die Börse im Juli 1924 hatte das Unternehmen
ein Grundkapital von 50 Millionen Francs, welches bis Dezember auf 100 Millionen
aufgestockt wurde. Dieses war auf 200.000 Aktien gestückelt, wovon André
Citroën selbst 160.000 Stück hielt. Die Aktien hatten ein Nominale
von 500 Francs. André Citroën erhielt für die Ausstattung,
die Vorräte, Rohstoffe, Maschinen etc. im Juli 60.000 Aktien. Im Dezember
bekam er weitere 100.000 Stück für die vorhandenen Grundstücke.
(Bernard Citroën schreibt von 94.000 Aktien,
welche André Citroën für die bebauten Grundstücke erhalten
haben soll. Da sich Schweitzer auf mehrere Quellen stützt, dürften
ihre Angaben eher zutreffen.)
Rund um sich gruppierte André Citroën sechs verläßliche,
ihm gut bekannte Personen: Hugues Citroën, welcher 200 Aktien hielt, Gustave
Bingen, seinen Schwiegervater, mit 300 Stück, Georges Marie Haardt hatte
400 inne und Charles Manheimer 200 sowie dessen Bruder Lionel 80 Aktien der
Societé Anonyme André Citroën, im Wert von je 500 Francs.
André Citroën lernte Georges-Marie Haardt bereits
1912 bei Mors kennen, wo dieser Generaldirektor war. Bei Citroën hatte
er 1924 die Stellung als Administrator inne.
Charles Manheimer war ebenfalls bereits bei Mors tätig,
wo er 1910 in der Verwaltung tätig war, weiters war Manheimer 1915 Produktionsleiter
in der Fabrik Javel.
5.4.6.2.1 Kapitalaufstockung für die Expansion
Als es im Jahr 1926 den Ausbau des Werkes Clichy zu finanzieren
galt, emittierte das Unternehmen öffentlich, hauptsächlich durch Vermittlung
der Händlerschaft, bons décennaux in der Höhe von
500 Francs mit 7,5 % Verzinsung. Die zunehmende Vergößerung des Unternehmens
und damit verbunden die enormen Investitionen veranlaßten Citroën
auch 1928 und 1930 solche Wertpapiere auszugeben, deren höchste Zahl, die
der Einzelne erwerben konnte, mit 80 Stück begrenzt war. Die Emission im
Jahr 1928 war mit 5,5 % verzinst, jene aus 1930 verschaffte Citroën 125
Millionen Francs, war zu je 1.000 Francs gestückelt und mit 5 % verzinst.
1927 ging das Unternehmen eine Verbindung mit der Bank Lazard
frères ein, durch welche es möglich war, das Stammkapital
auf 300 und kurze Zeit später auf 400 Millionen Francs aufzustocken. Durch
das Kapital von Lazard zogen Vertreter dieser Bank allerdings auch in den Aufsichtsrat
ein. Die Abgesandten der Bank Lazard frères waren jedoch wieder Bekannte
von André Citroën, mit welchen er bereits längere Zeit in Verbindung
stand.
Dies waren zwei Repräsentanten der Firma Schneider, welche
Metall an die Autoindustrie lieferte, Armand de Saint-Sauveur und Jules Aubrun,
sowie Paul Donner, welcher von 1914 bis 1918 Delegierter des Kriegsministeriums
in Rußland war, aber auch in der Verwaltung von Skoda tätig war,
wohin André Citroën ja bereits vor dem 1. Weltkrieg geschäftliche
Verbindungen hatte.
Im Zuge dieser Kapitalaufnahme und Reorganisation der Finanzstruktur
des Unternehmens, wurde den ersten 60.000 Aktien, welche André Citroën
1924 erhielt, im Jahr 1927 ein bevorzugtes Stimmrecht zuerkannt. Die 100.000
Aktien, welche er im Dezember 1924 erhielt, wurden 1927 mit dem Recht gekoppelt,
einen gewissen Gewinnanteil einbehalten zu können.
Von den 600.000 Aktien, welche im Jahr 1927 ausgegeben wurden,
wurden die ersten 400.000 von Lazard frères unterzeichnet und von den
weiteren 200.000 ausgegebenen Aktien nochmals 150.000 von Lazard frères
übernommen. Diese 600.000 Stück wurden als Typ B klassifiziert, jene
200.000 aus 1924 als Typ A. Der Unterschied lag vor allem im unterschiedlichen
Stimmrecht und der unterschiedlichen Gestaltung der Gewinnausschüttung
begründet.
Ein interessantes Detail am Rande ist die Abgeltung der von André
Citroën für das Unternehmen geleisteten Arbeit. Neben den Dividendenausschüttungen
erhielt André Citroën für seine Tätigkeit als Aufsichtsratvorsitzender
noch 10 % vom Gewinn.
vgl. WOLGENSINGER, 1996, S. 42 f
vgl. FORD, 1923, S. 97
vgl. SCHWEITZER, 1992, S. 105
vgl. AGEFI, 1923, zit. in SCHWEITZER,1992, S. 105 (keine genaueren Angaben
über die Originalquelle vorhanden)
vgl. WOLGENSINGER, 1992, S. 281 f
vgl. SCHWEITZER, 1992, S. 105
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 24 f
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 20 f
vgl. LE DOUBLE CHEVRON, 1982, No 70, S. 6
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 24 f
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 21 f
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 26
vgl. AUTOMOBILES CITROËN, 1996, S. 3
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 26
vgl. WOLGENSINGER, 1992, S. 282
vgl. ebenda
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 20
vgl. WOLGENSINGER, 1992, S. 283
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 32
vgl. DOUBLE CHEVRON, 1997, Nr. 17, S. 37
vgl. AUTOMOBILES CITROËN, 1996, S. 4
vgl. WOLGENSINGER, 1992, S. 283
WOLGENSINGER, 1992, S. 283
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 37
vgl. LE DOUBLE CHEVRON, 1990, No 102, S. 56 f
vgl. WOLGENSINGER, 1992, S. 283
vgl. AUTOMOBILES CITROËN, 1996, S. 27
vgl. WOLGENSINGER, 1996, S. 43
vgl. SCHWEITZER, 1982, S. 35
vgl. AUTOMOBILES CITROËN, 1996, S. 33
vgl. LE DOUBLE CHEVRON, 1990, No 103, S. 44 f
vgl. Histoire Economique et sociale de la France, 1980, S. 647 f
vgl. SCHWEITZER, 1992, S. 225
vgl. Archives de la Seine, no 26125 und 26122, Registre du tribunal de commerce
de la Seine, zit. in: SCHWEITZER, 1992, S. 185 f
vgl. WOLGENSINGER, 1992, S. 125
vgl Archives nationales, ministère des Finances, No 15730, Brief von
André Citroën an die Finanzbehörde vom 19. Oktober 1922,
zit. in: SCHWEITZER, 1992, S. 186
vgl. CITROËN, 1996, S. 269
vgl. Gazette de Paris: Statuts de la société anonyme André
Citroën, 13. August 1924
Generalversammlung der SAAC vom 29. Juli, 7. August und 31.
Dezember 1924., zit. in: SCHWEITZER, 1992, S. 185
vgl. SCHWEITZER, 1992, S. 228 ff
vgl. Assemblée générale vom 5. Juni 1928, zit. in: SCHWEITZER,
1992, S. 186 f
vgl. Assemblée générale vom 27. Juli 1927, zit. in: SCHWEITZER,
1992, S. 187
vgl. SCHWEITZER, 1992, S. 187
vgl. CITROËN, 1996, S. 269 f
vgl Archives nationales, ministère des Finances, No 15733 und Status
der SAAC, zit. in: SCHWEITZER, 1992, S. 211
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